Als Sohn eines Pfarrers wird Jahn am 11. August 1778 in Lanz in der Prignitz geboren. Schon als junger Mann tritt er mutig und selbstbewusst auf. Seither, aufwachsend an der Grenze dreier deutscher Staaten, - Preußens, Hannovers und Mecklenburgs - beschäftige Jahn die eine entscheidende Frage nach den historischen Ursachen für die Zersplitterung Deutschlands, vor allem angesichts der Tatsache, dass sich überall in Europa seit dem späten Mittelalter Nationalstaaten wie Frankreich, England und Russland herausgebildet hatten.
Jahn mahnte seinerzeit:
„Ohne die Kenntnis der vaterländischen Geschichte ist der Bürger ein Spielball in der Hand des schlauen Betrügers. Vor zwei Abwegen muss sich jedes Volk hüten, das seine Selbstständigkeit nicht schmählich verlieren will: Vor der Allerweltsbürgerei und der Schildbürgerei. Ein Volk, das seine eigene Sprache verlernt, gibt sein Stimmrecht in der Menschheit auf und ist zur stummen Rolle auf der Völkerbühne verwiesen. Ein Volk, das mit Lust und Liebe die Ewigkeit seines Volkstums auffasst, kann zu allen Zeiten sein Wiedergeburtsfest und seinen Auferstehungstag feiern.“
Sein späteres zur Jugenderziehung begründetes Turnerhandwerk erlernt Jahn durch intensives Beobachten der Tierwelt und im wilden Spiel mit Gefährten von großen Persönlichkeiten seiner Epoche, wie er selbst berichtet:
„Meine Gespielen in der Jugend waren keine Knaben, sondern die Gefährten des Alten Fritz, Husaren von Zieten, Reiter von Seydlitz, Grenadiere von Schwerin. Von den Reitern lernte ich Reiten, von einem Grönlandfahrer Schwimmen, Laufen und Springen nach Beobachtungen der Tiere. Das Klettern sah ich den Affen ab, die sich der Mecklenburger Herzog vor seinem Schloss hielt.“
Als Preußen 1806 gegen Napoleon kämpft, ist Jahn sofort mit dabei:
„Ich warf die Feder weg, um zum Schwert zu greifen.“
Nach der preußischen Niederlage wirkt er im Untergrund für die „Patriotische Bewegung“, stets zum höchsten Opfer bereit. Das Zentrum dieser Bewegung war Berlin; neben Jahn gehörten ihr auch so bedeutende Männer wie Ernst Moritz Arndt, Johann Gottlieb Fichte und Friedrich Schleiermacher an, die sich aufopferungsvoll bemühten, das Nationalbewusstsein der Deutschen zu wecken, um den Aufstieg des deutschen Volkes aus politischer Demütigung zu ermöglichen.
1810 erscheint Jahns Hauptwerk „Deutsches Volkstum“. Es enthält die grundlegende Erkenntnis von der Nation als gewaltiger Kraftquelle. Auch die von ihm gegründete Turnerbewegung stellt Jahn in den Dienst des Kampfes für nationale Freiheit. Das Turnen selbst war ihm ein lebendiger Gemeinschaftsdienst für die Schulung der deutschen Jugend zu sittlicher Haltung, zur Gradheit von Körper und Seele, zur Unbedingtheit des Mutes. Der von ihm am 19. Juni 1811 eröffnete erste Turnplatz der Welt auf der Hasenheide bei Berlin entwickelte sich danach zur Heimat eines völkischen Widerstandes. Die Ideen des Turnvaters zündeten mehr und mehr in der Jugend. Als er zur Volkserhebung gegen Napoleon aufruft, entflammen die jungen Herzen.
Daraufhin meldet er sich im März 1813 als einer der Ersten zum Freikorps Lützow, für das er vorher kräftig geworben hatte. Er dient als Kommandeur des 3. Bataillons. Für besondere Tapferkeit wird ihm das Eiserne Kreuz verliehen.
Nach dem Sieg über Napoleon ist Jahn wieder Turnlehrer in Berlin. Doch nun richtet der gänzlich Unerschrockene seinen Kampf gegen die reaktionären deutschen Herrschenden, die nach den Siegen der Heere, nach Leipzig und Waterloo, die Schaffung eines neuen einigen Deutschlands schmerzlich hintertreiben. Dadurch wird auch Jahns Werk von der sogenannten „Demagogenverfolgung“ als staatsgefährdend erfasst.
Am 13. Juli 1819 wird der Turnvater verhaftet; bald darauf erfolgt das Verbot des Turnens. Jahn wird von Festung zu Festung gebracht. Doch er weicht keinen Schritt von seinen weltanschaulichen Grundüberzeugungen ab. 1825 erst kommt er aus seinem letzten Gefängnis, der Festung Kolberg, frei, wird jedoch weiter bespitzelt und unter Polizeiaufsicht gestellt. Erst unter dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. wird er endlich weitgehend rehabilitiert. 1848 wird er als Abgeordneter in die Nationalversammlung berufen, kommt aber mit den dort wirkenden Durchgeistigten nicht zurecht.
Jahn stirbt am 15. Oktober 1852 in Freyburg an der Unstrut. In seinem Vermächtnis, der „Schwanenrede“, bekundet der unsterbliche Turnvater der Nachwelt bis heute:
„Deutschlands Einheit war der Traum meines erwachenden Lebens, das Morgenrot meiner Jugend, der Sonnenschein der Manneskraft und ist jetzt der Abendstern, der mir zur ewigen Jugend winkt.“
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